Saint-Jean-de-Luz in 30 Sekunden
Rund 15.000 Einwohner (14.857 im Jahr 2023, laut dem französischen Statistikamt Insee), zwischen Biarritz und Hendaye (Hendaia). Eine Bucht, geschützt durch 3 Wellenbrecher (Socoa, Artha, Sainte-Barbe), die die Dünung des Ozeans brechen – ein Familienstrand.
Baskischer Name: Donibane Lohizune (auch Lohitzun geschrieben), wobei Lohitzun „Ort der Anschwemmungen“ bedeutet. Spanischer Name: San Juan de Luz.
Ein wenig Geschichte
15. Jahrhundert: Die baskischen Fischer des Hafens fahren zu den Fischbänken vor Neufundland.
16.–18. Jahrhundert: Walfang, Kabeljaufang und Kaperfahrt: Die Stadt wird zum „Korsarennest“.
9. Juni 1660: Hochzeit Ludwigs XIV. mit der Infantin Maria Theresia in der Kirche Saint-Jean-Baptiste, als Folge des Pyrenäenfriedens (7. November 1659). Der König trifft Anfang Mai ein und wohnt einen Monat lang beim Reeder Joannis de Lohobiague; die Infantin kommt am 7. Juni an und wohnt im Haus Joanoenia beim Reeder Joannot de Haraneder. Da die Straßen schlammig sind, gelangt der Hochzeitszug über eine Art erhöhten Laufsteg zur Kirche.
17.–18. Jahrhundert: Das Meer verwüstet die Stadt mehrmals (1680; Sturm von 1749, der 200 Häuser zerstört; Sturm von 1782, der das Viertel La Barre fortreißt). Eine Schutzmauer (mur de garantie) wird mehrmals verstärkt oder neu gebaut (1782 und 1823). Erst die von Napoleon III. veranlassten Wellenbrecher von Socoa, Sainte-Barbe und Artha schließen die Reede seit Anfang des 20. Jahrhunderts ab.
19. Jahrhundert: Aufschwung als Seebad, mit der Ankunft der Eisenbahn und den Aufenthalten Napoleons III. in der Region.
Sehenswürdigkeiten
Die Kirche Saint-Jean-Baptiste (Johannes der Täufer)
Das Bauwerk schlechthin. Ihre Ursprünge reichen bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück; ihre heutige Gestalt verdankt sie den Umbauten des 17. Jahrhunderts. Fast 50 Meter lang und 20 Meter hoch: Sie ist die größte Kirche des Labourd und wurde 1931 als Baudenkmal klassifiziert (classée monument historique). Holzemporen auf drei Ebenen, typisch für die Kirchen des Labourd (dort standen die Männer, die Frauen blieben im Kirchenschiff), 1857 originalgetreu wieder aufgebaut – teilweise dank einer Spende Napoleons III. und Kaiserin Eugénies. Ein monumentales Retabel aus vergoldetem Holz, 1669 aufgestellt und von Martin de Bidache geschaffen: rund zwanzig vergoldete Statuen, das spektakulärste Retabel im französischen Baskenland (Iparralde). Das Orgelgehäuse wurde 1659 von Gérard Brunel für die Königshochzeit gebaut. Ein Votivschiff, 1865 von der Familie Soudre gestiftet, hängt im Kirchenschiff. Das Hochzeitsportal wurde um 1669 zugemauert, damit kein anderes Paar es durchschreitet.
Die Maison Louis XIV
Das Haus Lohobiague (1643) an der Place Louis-XIV, in dem der König anlässlich seiner Hochzeit 1660 wohnte.
Das Haus der Infantin
Das Haus Joanoenia (maison de l’Infante), in dem Maria Theresia vor der Hochzeit wohnte. Seine Fassaden stehen seit 1925 unter Denkmalschutz, das gesamte Gebäude seit 1992.
Pays d’art et d’histoire
Saint-Jean-de-Luz und Ciboure erhielten 2016 gemeinsam das Label „Land der Kunst und Geschichte“ (Pays d’art et d’histoire). Das zugehörige Informationszentrum (CIAP) befindet sich im Rekollektenkloster (couvent des Récollets) in Ciboure, das ab 1613 erbaut wurde; die Zisterne und ihre steinerne Einfassung stiftete Kardinal Mazarin 1662.
Der Fischereihafen
Ein noch aktiver Hafen, gegenüber von Ciboure. Blick auf die Bucht.
Die Grande Plage
Sandstrand an der durch die Wellenbrecher geschützten Bucht – ideal für Familien.
Ciboure
Die Nachbargemeinde am anderen Ufer der Nivelle. Geburtshaus von Maurice Ravel (Maison Estebania, Quai de la Nivelle), der mit Saint-Jean-de-Luz geteilte Fischereihafen, das Rekollektenkloster.
Socoa, am anderen Ende der Bucht
Socoa ist ein Ortsteil von Ciboure am Westufer der Bucht. Die Bucht von Saint-Jean-de-Luz ist die einzige geschützte Bucht zwischen Arcachon und Spanien, abgeschlossen durch drei Wellenbrecher: Socoa, Artha und Sainte-Barbe.
- Das Fort de Socoa stammt aus dem 17. Jahrhundert; es wurde gebaut, um die Bucht zu verteidigen.
- Die Corniche basque verbindet Socoa mit Hendaye-Plage und bietet spektakuläre Ausblicke auf den Ozean.
- Der Hafen: Ciboure teilt sich den Fischereihafen mit Saint-Jean-de-Luz.
Les Halles
Die Markthalle im Herzen des städtischen Lebens ist jeden Morgen von 7 bis 13 Uhr geöffnet und hat rund dreißig feste Stände. Rundherum findet dienstags und freitags vormittags der Freiluftmarkt statt (mehr als 70 Händler), im Juli und August auch samstags vormittags; ein Kreativmarkt findet vom 1. Juni bis 15. September sonntags statt.
Essen gehen
Spezialitäten
- Ttoro – baskische Fischsuppe
- Chipirons (kleine Kalmare)
- Gâteau basque (baskischer Kuchen)
Anreise
- Auto: A63 oder Küstenstraße ab Biarritz
- Bahn: Bahnhof Saint-Jean-de-Luz-Ciboure an der Strecke Bordeaux–Irun
- Flughafen: Biarritz-Pays Basque
Ein Tag in Saint-Jean-de-Luz
- Vormittag: Kirche Saint-Jean-Baptiste + Maison Louis XIV, dann Les Halles
- Mittag: Mittagessen am Hafen oder in Ciboure
- Nachmittag: Grande Plage, dann Spaziergang bis zum Fort de Socoa
- Abend: Aperitif am Hafen
Berühmte Persönlichkeiten mit Bezug zu Saint-Jean-de-Luz und Ciboure
- Ludwig XIV. (1638–1715) – heiratet Maria Theresia von Spanien am 9. Juni 1660 in der Kirche Saint-Jean-Baptiste.
- Maurice Ravel (1875–1937) – Komponist des Boléro, am 7. März 1875 in Ciboure geboren; seine Mutter, Marie Delouart, stammte aus einer Familie, die seit mindestens dem 17. Jahrhundert in Ciboure ansässig war.
- Bixente Lizarazu – in Saint-Jean-de-Luz geborener Fußballer, Weltmeister 1998 und Europameister 2000 mit der französischen Nationalmannschaft, von 1997 bis 2006 Linksverteidiger beim FC Bayern München.
- Michèle Alliot-Marie (geb. 1946) – Politikerin, deren Vater, Bernard Marie, Bürgermeister von Biarritz war. Gemeinderätin in Ciboure (1983–1988), Bürgermeisterin von Saint-Jean-de-Luz von 1995 bis 2002, danach Erste Beigeordnete (stellvertretende Bürgermeisterin), Abgeordnete des 6. Wahlkreises des Départements Pyrénées-Atlantiques (1988–2012). Sie war Präsidentin des RPR (1999–2002), die erste Verteidigungsministerin Frankreichs (2002–2007), dann Innenministerin (2007–2009), Justizministerin (2009–2010) und Außenministerin (2010–2011) – ein Amt, das sie im Februar 2011 nach der Kontroverse um die tunesische Revolution aufgab. Außerdem war sie Europaabgeordnete (1989–1993, 2014–2019).
Mein Lieblingsfoto
Der Hafen bei Sonnenuntergang mit den Booten, gegenüber Ciboure, die von den Wellenbrechern abgeschlossene Bucht. Oder die Grande Plage im Morgengrauen.
Quellen
- Stadt Saint-Jean-de-Luz – Les Halles (auf Französisch)
- Insee – Gebietsvergleich (comparateur de territoires), Saint-Jean-de-Luz (Einwohnerzahl 2023; auf Französisch)
- Tourismusbüro Saint-Jean-de-Luz – Die Kirche, Die Hochzeit Ludwigs XIV., Die Schutzbauten der Bucht, Pays d’art et d’histoire (auf Französisch)
- Wikipedia: Saint-Jean-de-Luz, Kirche Saint-Jean-Baptiste (auf Französisch), Maurice Ravel (auf Englisch), Bixente Lizarazu, Michèle Alliot-Marie (auf Französisch)
Ongi jin Donibane Lohizunera – Willkommen in Saint-Jean-de-Luz.